Yolanda über Lessings Miss Sara Sampson

Montag, Mai 20, 2013 geschrieben von

Bei solch einem Wetter bleibt Yolanda dann lieber doch zu Hause und bewacht die Bibliothek. Hat sie die Nase gerümpft über meine Lessinglektüre und wollte dann doch Genaueres über Miss Sara Sampson hören. Ich erzählte ihr davon.

Ihr Urteil ist gemischt. Sie meint, Mellefont sei ein Schwächling, Sara ein naive, dumme Gans und die Marwood unglaubwürdig bis zum Schluss. Sir William sei ein alter Trottel, sein Diener ein bemitleidenswertes Exemplar des Duckmäusertums. Allein Norton findet ihre Zustimmung. Der besitze Größe. Und charakterliche Größe, dafür habe ein Mops ein Gespür, seien sie doch selbst Wesen, die sich vor allem durch stille Größe auszeichneten. Mein Einwurft, ob sich vielleicht auch Einfalt im Wesen des Mopses finde, wies sie mit dem Hinweis darauf ab, dass könne schon sein, aber es liege ihr fern den Mops zu einem Ideal aufklärerischer Kunst zu machen.

Leopoldina

Montag, Mai 20, 2013 geschrieben von

Im Kulturzentrum Tempel im Karlsruher Westen traf ich am Samstag Nachmittag auf Leopoldina, eine entzückende Mopsdame. Auch sie war zum Kulturmarkt “Support the underground” im Karlsruher Kulterzentrum Tempel gekommen. Die Karlsruher Hippster spielten Spitalfield Market, man hatte seinen Spaß. Manch ein Kreativer konnte sogar was verkaufen. Schöne Stücke gab es dort.

Mir erlaubte man, Leopoldina einen Moment zu halten. Ich ließ sie wieder hinunter, sie strampelte und fiel kopfüber zu Boden. Sie hat sich nicht verletzt, aber der Schreck stand ihr ins Gesicht geschrieben. Dennoch rappelte sie sich wieder auf und kläffte eine Katze an. Mein schlechtes Gewissen aber bleibt. Und Yolanda? Die blieb zu Hause, bewachte die Bücher und dachte über Cromwells Bär nach.

Patriotismus der Genussmittel

Donnerstag, Mai 16, 2013 geschrieben von

Vor einem halben Jahr habe ich mit dem Rauchen aufgehört. Das war eigentlich lange überfällig, hat es mir doch schon eine Weile keinen Spaß mehr gemacht. Und ich habe eigentlich immer aus Spaß geraucht. Zumal ich dabei noch Gutes getan habe, denn ein Teil der Tabaksteuer wurde ja schließlich für den Kampf gegen den Terror verwendet. Ist doch klasse, wenn man Spaß an etwas hat und gleichzeitig noch etwas für sein Land tut.

Eugen Ruge -In Zeiten abnehmenden Lichts

Dienstag, April 23, 2013 geschrieben von

Ein Familienroman. Als Buddenbrooks der DDR wurde dieser Roman von einer Kritikerin der Zeit bezeichnet. Der Klappentext führt das Zitat stolz auf. Wohl als Qualitätsmerkmal. So weit sollte man vielleicht nicht gehen, denn außer dass Ruges Buch ein Familienroman ist, hat er nichts mit den Buddenbrooks gemeinsam. Inhaltlich natürlich überhaupt nichts, aber auch von der Anlage her sind beide Bücher weit von einander entfernt. Was auf keinen Fall gegen Ruges Roman spricht, im Gegenteil. Der Roman ist modern flott erzählt,  manchmal ein wenig zu elliptisch, ein bissl zu sehr auf Pop getrimmt. Die Aufarbeitung der DDR im Medium des Familienromans ist in meinen Augen eine gute Idee, weil sie der Thematik die Schwere nimmt, das Politisch-Gesellschaftliche vom Privaten aus ein gutes Stück subjektiviert. Erzählt wird die Geschichte einer Familie, in der sich nicht nur die gesamte Geschichte der DDR spiegelt,  sondern die vor allem eine Typologie der Erwartungen, Hoffnungen, Illusionen spiegelt, die sich an der mittlerweile Gott sei dank ins Historische versunkenen DDR angelagert haben. Die Richtung ist deutlich: Hoffnung und Zuversicht, aber auch Opportunismus und Spießertum bei der ersten Generation von Charlotte und Wilhelm, Anpassung und zunehmende Resignation in der zweiten um Kurt und Irina, Unreflektiertes aus der Kindheit und und zunehmende Desillusioniertheit, aber auch Ablehnung beim zweit jüngsten Spross der Familie, Alexander. Gut getroffen ist die Gedankenwelt von Alexanders Sohn, irgendwo zwischen brutaler Unkenntnis der eigenen Vergangenheit und Naivität. Der Roman läuft bisweilen Gefahr, sich aufgrund der wechselnden Episoden und Perspektiven im Beliebigen zu verlieren. Aufgefangen wird das eine Weile lang durch die gute Idee, die Geburtstagsfeier zu Wilhelms 90. aus der Perspektive der meisten Familienangehörigen zu schildern. Das gibt dem Roman ein Zentrum. Diese Geburtstagfeier zeigt die Typen, ihre persönlichen Einstellungen zur DDR und verdichtet somit den auseinander driftenden Roman. Im Grunde spiegelt diese Szene bildhaft gedrängt das Schicksal eines ganzen Staates, inklusive der zweckentfremdeten Verwendung von Charlottes Tropfen. Auch deshalb wird man nicht umhin können, diesem Ereignis zentrale Bedeutung beizumessen.
Gut gelungen und in einem schönen Kontrast zu dem öden, grauen überorganisierten durchkontrollierten Leben in der DDR stehen die Abschnitte, die Alexanders Aufenthalt in Mexiko schildern, Wie dreckig, chaotisch, laut, schrill und bunt ist da alles. Alles geht durcheinander, ohne Plan, ohne Ziel, ohne Vision, aber dafür mit der ungembremsten Wucht der westlichen Freiheit. Das Ende führt in der Verschmelzung des Autors mit dem eigentlichen Protagonisten des Romans aus der Fiktion hinaus ins Historisch-Dokumentiernde, was dem Roman nichts von seiner Bitterkeit nimmt, die man den Autor am Ende in der Melancholie der Erinnerung an das eigne Leben erfolglos zurücknehmen meint.
Ein guter Roman, der aber ein wenig daran krankt, dass es einem schwer fällt, zu einem der Protagonisten Sympathie aufzubauen. Der Vergleich mit den Buddenbrooks entbehrt vor allem darum jeder Grundlage, da hier im Gegensatz zu dort, vor allem dem korperliche und geistige Verfall der Figuren im Vordergrund zu stehen scheint. Der Niedergang einer Familie ist hier streng genommen nicht zu beobachten, da Familie hier nur als ein oberflächlich und äußerlich durchgeführtes Konzept bei den Umnitzers erscheint. Alle Familienmitglieder erscheinen kalt, keiner hegt für den anderen Sympathie oder gar Zuneigung, ja, je weiter der Roman fortschreitet desto deutlicher wird, dass der soziale Verband nicht aufgrund des Niedergangs der DDR zerfällt, sondern weil die “Familie” Umnitzer von Anfang an eine Lüge war. Somit löst der Tod mit der Zeit auch die letzten (Ver-) Bindungen.

Weg mit dem Gong!

Freitag, März 1, 2013 geschrieben von

In vielen Schulen wird der Gong abgeschafft, ganz oder zu Anfang auf auch nur phasenweise. Das ist ein Schritt in Richtung Freiheit, nicht nur pädagogischer. Dennoch sind viele Lehrkräfte gegen die neue Stille im Schulhaus, zumindest aber sind sie irritiert. Denn allzu viele spüren unbewusst, dass ihre kümmerliche Autorität vom kasernenhaften Gong abhängt, hinter dessen lärmenden Dreiklang Unsicherheit gut zu verstecken ist. Da werden einige schwer mit sich zu kämpfen haben. Nach zermürbender Selbstdiagnose und Evaluation mit dem Ehemann, der Ehefrau oder den anderen verunsicherten Kollegen beim sonst so leckeren Rotwein werden sie den Verlust es liebgewonnenen Gehorsamerzwinger bedauern. Es wird aber endlich Zeit, dass dieses Relikt eines preußischen 19. Jahrhundert endlich aus unseren Schulen verschwindet. Das kasenernenhaft Militärische ist doch nicht zu leugnen. Der Gong erzwingt Gehorsam. Jeder von uns hat ihn so verinnerlicht, dass wir das Autoritäre, ja Militaristische überhaupt nicht mehr wahrnehmen. Pawlow läutet zum Essen, der Oberst bläst zum Angriff, wir folgen oder erwarten, dass gefolgt wird, wenn wir auf der anderen Seite des Gongs stehen. Endlich scheint es damit vorbei zu sein.

Glen Hansard in Barcelona

Donnerstag, Februar 21, 2013 geschrieben von

Neulich, eine Idee, ein Flug, ein Hostel, ein Konzert. Manchmal macht man Dinge, die sich als Grundidee erst mal blödsinnig anhören – sich im Nachklang aber als genau richtig erweisen.
So geschehen letzte Woche. Barcelona für eine Nacht quasi, und wofür?

Glen Hansard.

Also Freitag morgen um 5 ab Richtung Söllingen, Schnee, das wird eng. Vor mir Räumfahrzeuge und LKW, seis drum, der Franzose rockt das schon. Es wurde sehr eng, aber meine erste – und bis auf den Rückflug auch sicher letzte RyanAir-Erfahrung zeigt: wenn man sowieso nochmal 20 Minuten im Schneegestöber warten muss, kann man eigentlich kaum zu spät kommen – aber das ist eine andere Geschichte.

80 Jahre Machtergreifung – zum 30.1.1933

Sonntag, Februar 3, 2013 geschrieben von

Der Begriff allein ist schon falsch. Hitler hat die Macht nicht ergriffen, sie wurde ihm von Männern übertragen, die glaubten, die Dynamik der nationalsozialistischen Bewegung für die eigenen politischen Ziele, die Schaffung eines autoritären Systems, instrumentalisieren zu können, und den Anführer dieser Bewegung durch die Einbindung in eine Regierung kontrollieren zu können. Wie sehr man sich täuschte und wie spät die Beteiligten das erkannt haben, in für mich unfassbar. Zur Erinnerung an alle die, die sich mutig widersetzt haben, gebe ich die Rede von Otto Wels (SPD) wieder, die er am 23.3.1933 im Reichtstag gehalten hat, als dessen Abgeordnete für das Ermächtigungsgesetz stimmte und damit sich praktisch selbst abschaffte. Soweit ich sehen, ist diese Rede die letzte freie Rede im Reichstag gewesen.

Philip Kerr – March violets

Mittwoch, Januar 30, 2013 geschrieben von

An einem Sonntag in Aberdeen fiel mir in einem Waterstone’s in der Anteilung “Scotish writers” die Trilogie Berlin noir von Philip Kerr in die Hände. Eigentlich war ich auf der Suche nach ein paar Bänden von Stuart MacBrides Krimis, die in Aberdeen spielen. Die Schotten schauen schon sehr genau hin, wer zu ihnen gehört. Kerr ist gebürtiger Schotte, lebt aber, soweit ich weiß, schon seit Längerem in London. Also steht er mit vollem Recht in der Ecke der schottischen Autoren.

Mauerwerk 9

Mittwoch, Januar 23, 2013 geschrieben von

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Dreibeiniger Hund. Gefunden an der Mauer des Stadtgartens. Archaisch oder visionär? Kritik an urbaner Tierhaltung oder heimlicher Wunsch nach mehr Exotik im kleinbürgerlichen Naherholungsgebiet zwischen Gondoletta und Streichelzoo?

Persönliche Notiz

Mittwoch, Januar 9, 2013 geschrieben von

Grabe immer vorsichtig, wenn du mit deinem Bagger in der Innenstadt zu tun hast. Man weiß nie, wo KabelBw ihre Leitung verlegt hat.

Nachtrag zum ausgefallenen Weltuntergang

Sonntag, Dezember 30, 2012 geschrieben von

Als Gott den Menschen schuf, hatte er einen tollen Plan. Ein Lebenwesen mit einem freien Geist sollte auf seiner Erde wandeln und seine Schöpfung bewundern dürfen. Es sollte diesem Geschöpf erlaubt sein, inmitten dieser Schöpfung zu leben. Wie uns nicht zuletzt die Räuberpistolen aus dem Alten Testament erzählen, scheint Gott sich ein verrechnet zu haben. Die Menschen hielten sich nicht an seinen Plan. Sie stritten sich, zerstörten Gottes schöne Schöpfung, setzten eigene Gesetze gegen die Gottes. Das geschah immer wieder. Wenn die Menschen es zu bunt trieben, sandte Gott ihnen Plagen: Heuschrecken, Krankheiten, Überflutungen, Dürreperioden usw. Aber nicht immer half das.

Stille Orte 2

Freitag, Dezember 28, 2012 geschrieben von

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Die Herrentoilette im Spanky Van Dyke’s in Nottingham beeindruckt durch den Kontrast von chaotischen Tags auf Metall und der strengen Kühle der weißen Kacheln. Dieses Klo ist eine Metapher des neoliberalen Großbritannien. ;-)

Apologie der Zeitverschwendung

Donnerstag, Dezember 20, 2012 geschrieben von

Wenn man so ich vor rund vier Wochen zum Nichtstun verdammt ist, und man auf einmal wieder bemerkt, wie viel Zeit einem an einem Tag so zur Verfügung steht, dann sollte man diesen Zustand ein wenig zu genießen suchen. Enthoben dem täglichen Stress, wie aus dem Alltag gefallen. Man sieht, wie alles um einen herum seinem täglichen Plan folgt, die Passanten, die zum Bahnhof eilen, die Straßenbahnen, die mit täglicher Routine ihre Kreise durch die Stadt drehen, der Verkehr, der zuzeiten anschwillt und am Abend wieder abebbt. Man steht dann abseits und das wilde Treiben des Tages rauscht an einem vorbei. Nur so, in der dem Strudel enthobenen Betrachtung, kann einem der sich um sich selbst drehende Alltag überhaupt erst auffallen. Man wundert sich, ist vielleicht sogar am Anfang froh, diesem Stress zumindest für eine Weile enthoben zu sein, auch wenn einem bewusst bleibt, dass man sich in naher Zukunft wieder Kopf über in den Alltag wird stürzen müssen. Nach einer Weile entwickelt man nun seinen eigenen Alltag, seine eigene tägliche Routine, die den Tag den neuen Umständen gemäß einteilt. In diesem Zustand der temporären Enthobenheit vom Alltaf kann man etwas entdecken, das man sonst nur irgendwie durchbringen muss oder froh ist, wenn sie durchgebracht hat: die Zeit.

Stille Orte – 1 Florale Kachel

Mittwoch, Dezember 12, 2012 geschrieben von

Es gibt in meinen Augen viele gute Artikel auf diesem Blog. Allerdings werden sie kaum wahrgenommen. Das allein ist überhaupt kein Problem, streben wir doch eine große Leserschaft auch gar nicht an. Was aber sehr verwundert, ist, dass auserechnet ein Artikel hier seit seinem Erscheinen vor mehr als einem halben Jahr täglich bis zu 200 Klicks erzielt. Dieser Artikel ist einer der unwichtigsten, die hier veröffentlicht wurden. Er diente eigentlich eher der privaten Dokumentation als der Aufklärung der Massen, auch wenn der ironische Titel anderes anzudeuten scheint.

Hundert und ein Todesfall

Montag, November 26, 2012 geschrieben von

Wer Nachrichten hört, wird zum Pessimist. Er verliert angesichts der durch Gier, Machtstreben, Egoismus, Eitelkeit ausgelösten Probleme und Katastrophen, die für die bedenkliche Lage der Welt verantwortlich sind, jede Zuversicht, dass der Mensch sich je selbst so weit disziplinieren könnte, dass die Probleme in der Welt nachhaltig abgebaut werden und alle Menschen ein besseres Leben werden führen können.