geschrieben von homberle am Donnerstag, 14 Januar, 2010
Nach Textzeilen wie
Ich fühl’ mich wie der Jesus
Mir tut das Kreuz so weh oder
es lebe der Zentralfriedhof oder
meine Herrschaften – heroinspaziert oder
wen er einmal gerufen hat – den holt er sich auch – Der Watzmann
fühle ich mich irgendwie so – hmm – analog. Da passt es wie – verzeihung – Arsch auf Eimer, dass ich heute eine Werbung von Hülsta sah, die ich ganz einfach großartig finde, und die es für mich auf den Punkt bringt, obwohl mir das tanzende Etwas im Vordergrund etwas überflüssig erscheint und ich die blanken Zahlen als unwichtig empfinde. Die schiere Wucht, von Musik erschlagen werden zu können, ist für mich Aussage genug – also – werft Ipods nach mir und versucht mich zu treffen.
geschrieben von homberle am Donnerstag, 15 Oktober, 2009
In der Ukraine gewann vor einigen Monaten die Künstlerin Kseniya Simonova die Fernsehshow “Ukraine’s Got Talent 2009″, was wohl das Pendant zum “Supertalent” bei RTL oder so ist. Und wisst ihr womit die gewonnen hat? Sie “malt” in einem mit Sand befüllten Leuchtkasten, wobei das kein klassisches Malen, sondern eher ein Geschichten erzählen mit flüchtigen Bildern ist. Ihr Thema: die deutsche Besatzung der Ukraine während des 2. Weltkrieges. Klingt abgefahren? Dann solltet ihr euch das Video anschauen. (gefunden bei Spreeblick)
geschrieben von homberle am Mittwoch, 14 Oktober, 2009
Wenn noch irgendwer daran gezweifelt hat: die gesamte Content-Mafia will natürlich nur unser Bestes und es geht ihnen allen natürlich nur um die Künstler und an allerletzter Stelle erst ums Geld – ja ne, ist klar: Netzpolitik hat da etwas sehr interessantes bei Wikileaks gefunden.
geschrieben von homberle am Sonntag, 11 Oktober, 2009
Die Frage hat sich irgendwann einmal ihre Selbstverständlichkeit am Ende der Nahrungsaufnahme erarbeitet. Sie wird gestellt. Immer.
Sie ist oft unterschiedlich in ihrer Form, hat aber dennoch jedes Mal dasselbe Ergebnis: Kaum einer sagt das, was er eigentlich sagen möchte. War’s recht? Hat’s geschmeckt? Waren sie zufrieden? Die Variation der Frage ist ähnlich beliebig wie die Antwortmöglichkeiten: Sehr gut. Sehr lecker. Wunderbar – nur viel zu viel…
Ich esse gerne. Und weil dem so ist, besuche ich in unregelmäßigen Abständen auch mal das ein oder andere Restaurant meines Vertrauens. Ich quäle mich durch die Karte, was bei mir immer viel zu lange dauert, weil die meisten Fresstempel einen Wettbewerb untereinander ausfechten, wer mit dem Umfang der Speisekarte näher an Goethes Gesamtwerk rankommt. Ein Pils später ist die Bestellung dann meistens doch abgegeben, ein weiteres Pils später ist das eben bestellte da. Essen.
geschrieben von homberle am Mittwoch, 23 September, 2009
Den Ausdruck “Facepalm” habe ich vor einigen Wochen zum ersten Mal in einem anderen Blog gelesen und nach kurzem vor Augen führen dieser Handlung (Dict.cc sagt dazu: “die Hand vors Gesicht schlagen”) musste ich mal wieder neidlos anerkennen, dass sich die englische Sprache manchmal einfach der kürzeren, prägnanteren und vor allem treffenderen Bilder bedient.
Der Grund, warum ich das schreibe ist einfach. Denn vor wenigen Minuten habe ich, wie in letzter Zeit leider häufiger, ein(e) facepalm gemacht, ich habe mir also die Hand vors Gesicht geschlagen. Ich kam nach Hause und nach der Fernsehberichterstattung eines Ereignisses, das ich hier nicht näher beschreiben möchte, landete ich beim ZDF – Kerner lief. In fünf Tagen ist Bundestagswahl und da darf ein Gespräch unter Experten auch am Dienstag Abend nicht fehlen. Nach einigen apathischen Minuten wurde ich wachgerüttelt.
geschrieben von homberle am Sonntag, 20 September, 2009
Einfach alles anders machen, mit kleinem Budget und auch sonst sehr beschränkten Mitteln. Mal den umgekehrten Weg beschreiten: Musiker spielen Schauspieler – nicht andersherum. Das ganze noch mit einer feinen Geschichte und fantastischem Soundtrack versehen, schon ist die Idee eines Independent-Films auch ganz nah dran am sonst so unwahrscheinlichen kommerziellen Erfolg geboren.
“Once” erzählt die Geschichte zweier Namenlosen dicht am Rande der Gesellschaft. Hier bin ich schon beim ersten bemerkenswerten Alleinstellungsmerkmal: Die zwei hauptdarstellenden Musiker, im wahren Leben Glen Hansard (The Frames) und Markéta Irglová, stellen sich für den Zuschauer nie namentlich vor. Zwei unbekannte, die sich zufällig auf der Straße bei des Mannes eigentlicher Leidenschaft – seine Lieder in den Einkaufsstraßen Dublins mit niemals gespieltem sondern stets wahrem Herzblut darzubieten – lernen sich über Nebensächlichkeiten (ihr kaputter Staubsauger, den er, gelernter Staubsaugerreparateur, reparieren kann) kennen. Sie finden schnell heraus, dass für beide die Musik ein nicht unerheblicher Bestandteil ihres ansonsten tristen Lebens ist. Geblendet von zu viel Hollywood-Schund malt man sich schon die weitere Geschichte aus: der erste Kuss, Schwören der ewigen Liebe, Plattenvertrag und Erfolg bis zum Abwinken. Nicht hier. Die zwar vorhandenene aber niemals gespielt wirkende Annäherung der beiden verläuft fast schon kindlich naiv. Die Schlüsselszene des Films findet in einem Musikgeschäft statt.
geschrieben von homberle am Mittwoch, 16 September, 2009
Ich weiß, ich weiß – das soll kein Link-Blog sein und wird es auch nicht werden. Ich bin heute allerdings auf eine – vielleicht nicht ganz neue – aber in dieser Form und Qualität für mich bisher unbekannte Kunstform aufmerksam gemacht worden, die ich unbedingt teilen muss: Das “Literal Music Video”
Da werden einfach mal die zum Teil wirklich sinnfreien und in keinster Weise zum Inhalt des Liedes passenden Videos einiger Künstler zurechtgerückt. Exemplarisch zwei wirklich großartige Vertreter:
geschrieben von homberle am Donnerstag, 3 September, 2009
“This world is bullshit, and you shouldn’t model your life on what you think that we think is cool, and what we’re wearing and what we’re saying.”
Zugegeben: Ganz dicht ist die Frau nicht. Wer will es ihr verdenken. Frühe Scheidung der Eltern, vergewaltigt mit 12, unzählige Therapien, klar dass da was hängen bleibt. So könnte man vielleicht auch das Skandälchen erklären, das sie bei den MTV-Music-Awards 1997 auslöste. Sie war der Meinung, sie sei nur nominiert worden, weil sie sich halbnackt in ihrem Video zu “Criminal” in der Badewanne räkelte, und schon lässt sie sich zu dem wahnsinnig prvozierenden Satz “Diese Welt ist ein Stück Scheiße” (gemeint ist die Welt der Musikindustrie, Anm.d.A.) hinreißen. Puh. In der prüden amerikanischen Medienlandschaft natürlich untragbar – hierzulande würde es ihr gerade mal eine Kurzmeldung bei Explosiv einbringen – wenn überhaupt. Zu allem Überfluss lebt sie auch noch vegan.
geschrieben von homberle am Dienstag, 11 März, 2008
Normalerweise vertraue ich fast ausschließlich dir Lynkeus, wenn es um die Empfehlung von Literatur geht Ich habe eine Ausnahme gemacht – und wurde nicht enttäuscht.
Barcelona, vierziger Jahre. Daniel ist ein Heranwachsender, seine Mutter starb, sein Vater ist Buchhändler. Als dieser die Zeit für richtig hält, führt er seinen zehnjährigen Sohn zum Friedhof der vergessenen Bücher. Schier endlose, verzweigte, verwinkelte Gänge und Gassen, bis an die steinernen Decken gefüllt mit abertausenden Büchern. Ein Geheimnis. Jeder, der es entdecken darf, übernimmt die Patenschaft für eines von ihnen und muss dafür sorgen, dass es niemals in Vergessenheit gerät. Daniel entscheidet sich für “Der Schatten des Windes” eines gewissen Julian Caráx und liest es in einer Nacht. Die inhaltliche Geschichte des Buches wird nie wirklich behandelt, vielmehr treten ab jetzt die Hintergründe der Entstehung und vor allem die Geschichte rund um Julian Caráx in den Vordergrund. Mit dem Zeitpunkt, an dem Daniel das Buch zum ersten mal beiseite legt, beginnt die Verschmelzung zwischen ihm, Caráx und dem Schatten des Windes.
Er begibt sich, getrieben von kindlicher Entdeckungslust, auf die Suche nach Hintergründen und Antworten, die er hofft, vom Autor des für ihn so prägenden Werkes zu finden. Immer verwirrender – sowohl für den Leser, als auch für den Protagonisten – werden die Entwicklungen und Zusammenhänge, die ihn auf der Reise begleiten. Jedesmal wenn er denkt, er käme dem Geheimnis rund um die Existenz Caráx´ einen Schritt näher, tun sich vor ihm weitere Verzweigungen, Abgründe und Verwirrungen auf, die ihn jedoch nicht davon abhalten, weiterzuforschen.
geschrieben von homberle am Donnerstag, 6 Dezember, 2007
Manchmal offenbart das Leben Zufälle, die beim zweiten Hinsehen gar kein Zufall sein können, Schicksal vielleicht, aber kein Zufall. Oder gibt es da vielleicht gar keinen Unterschied? Egal, sollen sich doch andere über das Warum Gedanken machen. Ich habe vor einigen Tagen zufällig entdeckt, dass Eddie Vedder, der Sänger von Pearl Jam, sein Soloalbum “Into The Wild” veröffentlicht hat – gesehen und gekauft. Der Soundtrack zum gleichnamigen Film, was ich spontan vernachlässige und mir auch ziemlich egal ist. Nach dem ersten Hören gefallen mir ausnahmslos alle Titel – leider nur elf an der Zahl, bei einer Spielzeit von knapp mehr als 30 Minuten – ausgesprochen gut. Diesmal nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich viel zu kurz. Nachdem ich das letzte Buch von Jon Krakauer “In eisige Höhen” beiseite legte, wollte ich direkt mehr. Beim Stöbern im Buchladen finde ich sein Buch “In die Wildnis” und blättere darin. Sofort fesselt mich die Geschichte um Chris McCandless. Im Moment als ich zur Kasse gehen will, sehe ich einen Stapel Bücher vor mir, mit einem Cover, dass mir doch sehr bekannt vorkommt. Der gleiche grün-weiße Bus mit der markanten, verwitterten Nummer 142 auf der Seite. Darauf sitzend der gleiche Typ, den ich auf dem Cover der CD, die ich vor kurzem gekauft habe, für Eddie Vedder hielt. Fast schon peinlich berührt schaue ich mich um, aus Angst jemand lacht mich bei dieser Offensichtlichkeit aus. “Into The Wild” – “In die Wildnis” – da hätte man auch gleich drauf kommen können. Die gestapelten Bücher sind die Neuauflage der gleichen Geschichte, die nun von Sean Penn verfilmt wurde, dessen Soundtrack mich unwissentlich die letzten Tage begleitete. Die nächsten Stunden verbringe ich damit, die beiden zusammenzuführen. Ich starte die Reise.
Chris McCandless ist Anfang 20 als er beginnt das Leben zu leben, das schon immer in ihm schwelt und mit aller Macht die Zügel in die Hand nehmen möchte, und nicht mehr jenes, welches von ihm erwartet wird. Aufgewachsen in überaus soliden Verhältnissen, überdurchschnittlich begabt was schulische und sonstige vermeintlich erstrebenswerte Leistungen angeht, sucht er schon früh nach Alternativen, um aus diesem für ihn beklemmenden und einschränkenden Umfeld von Zeit zu Zeit auszubrechen. Zwar spielt er seine Rolle, kommt aber immer weniger umhin, sein wahres Ich zu verbergen. So beginnt er immer häufiger damit, jede sich ihm bietende Möglichkeit zu nutzen, um auf Reisen zu gehen. Nach seinem Universitätsabschluss kann er sein lange gehegtes Ziel endlich verwirklichen. Er bricht alle Kontakte, allen voran den zu seinen Eltern, ab, verschenkt und lässt zurück, was ihn bindet und beginnt seine Erfüllung zu leben. Auf seiner zweijährigen Reise durch den Westen der USA hinterlässt er deutliche Spuren, die Krakauer durch seine Fotos, Tagebucheinträge, die er vornehmlich in Büchern als Randnotizen verfasst und zahllosen, aber nie belanglosen Bekanntschaften, nachzeichnen kann. Der Autor schafft es wieder, wie schon in “Eisige Höhen”, eine Geschichte, deren grober Verlauf und vor allem deren Ende schon hinlängliche bekannt scheint, so zu erzählen, dass es den Leser mitreißt. Es scheint nicht wichtig zu wissen, wie es endet, wichtig ist nur, das Erzählte von Anfang an mitzuerleben. Dabei zu sein. Wie McCandless es schafft durch sein Wesen, seine Taten, seine Worte, Menschen zum Nachdenken zu bringen, ihr Leben in Frage zu stellen, Dinge zu ändern, die als selbstverständlich angesehen werden, einfach nur, weil sie schon immer so waren. Das ist das faszinierende an der partiellen Biografie in diesem Buch. Man muss ihn nicht romantisieren, diesen Menschen, der sich am Ende fast völlig unwissend der gnadenlosen Natur des “wilden Alaskas” stellt, nur um den Tod zu finden. Denn die Frage stellt sich beim Lesen ständig: ist er einfach nur ein durchgeknallter Junge, der sich über- und den Rest der Welt unterschätzt, oder ein Suchender, der etwas findet, was er nicht suchte? Darum geht es aber nicht. Viel wichtiger als die Tatsache, dass McCandless wahrscheinlich in der Tat viel zu blauäugig in die Wildnis Alaskas zog ist doch, dass er seiner Bestimmung folgte. Er tat das, was er für richtig hielt, was ihn trieb, was für ihn das Leben bedeutete. Den Tod auf diese Weise zu finden, befinden viele als dumm und am Ende auch als gerechtfertigt – gar als logischen Schluss – dennoch glaube ich, dass hier nicht das Ende wichtig ist, sondern der Weg, den er beschritt. Bei der Kritik, die dabei immer wieder auftaucht, vergessen diejenigen, die ihn für sein Ende belächeln, dass sein Ziel nicht das Überleben in der Wildnis war. Sein Ziel war das Leben in seiner ursprünglichsten Freiheit, nur geschmälert durch Zwänge, die rein körperlicher Natur sind: Nahrung und Schlafen. Auf seiner Reise, die ihn durch fast alle Staaten der Westküste der USA bis nach Mexiko führen, finanziert durch Gelegenheitsjobs und Bettelei reduziert er sich auf sein Selbst. Er lebt das Leben eines Aussteigers bis aufs Äußerste, scheut keine Gefahren und schafft es dennoch, Menschen zu begeistern. Eigentlich könnte man meinen, dass ein Charakter mit dieser nicht zu verleugnenden misanthropen Haltung die Einsamkeit sucht, um den Menschen zu entfliehen. Vielmehr glaube ich allerdings, dass er zu sich selbst finden musste, um anderen Menschen zu begegnen. Durch Krakauers Recherchen wird deutlich, dass er das in seinen Anfängen auch schaffte.
Als McCandless sein Ziel – Alaska – im April 1992 erreicht, begibt er sich auf den “Stampede Trail” im Denali-Natinoalpark. Nach einigen Tagen erreicht er einen verlassenen Autobus. Dieser diente in der Zeit der bald aufgegebenen Erschließung des Gebiets als Unterkunft für die Arbeiter. Auch er nutzt ihn als Basiscamp für seine, ab nun rund 110 Tage – der genaue Zeitpunkt seines Todes ist nicht mehr rekonstruierbar – dauernde Expedition bis zu seinem Ende. Er ernährt sich ab jetzt nur noch von dem, was die Natur ihm anbietet und nennt sich von nun an Alex Supertramp. Seine einzigen Begleiter sind die Moskitos und die Literatur von Thoreau, London, Tolstoi und Pasternak. Trotz mangelnder Erfahrung und Ausrüstung hält er sich wacker. Die genauen Umstände, die letzten Endes zu seinem Tode führen, sind bis heute nicht geklärt. Er wird krank und verhungert.
geschrieben von homberle am Montag, 26 November, 2007
Ich bin fassungslos. Gerade habe ich das Buch zur Seite gelegt – denke ich – aber beim Blick auf die Uhr wird mir klar, dass ich seit fast 45 Minuten gedankenverloren vor mich hinstarre. Was hat dieses Buch mit mir gemacht? Am Anfang war eine Dokumentation, die derzeit bei DMAX läuft. Eine kommerzielle Expedition zum Gipfel des Mount Everest. Eine handvoll Menschen unterschiedlichster Herkunft und mit unterschiedlichsten Beweggründen haben dasselbe Ziel: einmal auf dem Dach der Welt stehen. Von der Intensität dieses Vorhabens gepackt, fand ich über Umwege Jon Krakauers “In eisige Höhen”. Der Journalist wird 1996 von der Zeitschrift “Outdoor” beauftragt, einen Artikel über das sich zu der Zeit größter Beliebtheit erfreuende kommerzielle Bergsteigen zu schreiben. Bei der Expedition, an der Krakauer schließlich im April und Mai 1996 teilnimmt, sterben 12 Menschen. Aus dem geplanten Artikel entsteht am Ende ein Buch, weil er die dramatischen Ereignisse nur so zu verarbeiten vermag. In der ersten Hälfte der rund 400 Seiten wechselt Krakauer ständig zwischen der Historie des Bergsteigens, den Hintergründen einiger früherer Besteigungen und dem Weg zum Basiscamp auf über 5000 Metern und erster Akklimatisierungsversuche in noch größeren Höhen. Nicht zuletzt kümmert er sich um die feinfühlige Herausarbeitung der unterschiedlichen Charaktere seiner Expeditionsgruppe rund um den Leiter Rob Hall. Er erzählt haarsträubende Geschichten über Laien am Berg, die die Besteigung des Everest mit einem Sonntagsausflug in den Zoo verwechseln und diesen Irrtum mit dem Verlust von Körperteilen durch Erfrierungen oder gar dem Leben bezahlen. Krakauer schafft es mit vielen kleinen Exkursen auch den alpinistisch eher jungfräulichen Leser in den Bann dieser Sportart – insbesondere im Zusammenhang mit dem Mythos Everest – zu ziehen. Wie es die Träumer, die hoffnungslosen Romantiker oder einfach nur Verrückte auf diesen Berg treibt, immer auf der Suche nach etwas, dass sie auf dem Gipfel – oder auf dem Weg dorthin/von dort – zu finden glauben. Am Ende scheint auf jeden Fall jeder etwas zu finden: Erleuchtung, Genugtuung, Freude, Befriedigung, Selbstbewusstsein, Einsamkeit, Enttäuschung, unendlichen Schmerz, Tod.
geschrieben von homberle am Donnerstag, 6 September, 2007
Zwei Jahre sind seid dem letzten Album “Carnival” vergangen. Ein Album, dass es bis heute nicht geschafft hat, mich vollständig zu erreichen. Kaum einer Platte habe ich in den letzten Jahren so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie dieser, und dennoch, in die Liste der richtig guten Alben der New Model Army wird sie es wohl nicht mehr schaffen. Sei’s drum – die Jungs um Justin Sullivan haben mit “High” ein Album nachgelegt, das vom ersten Eindruck ähnlich klingt wie sein Vorgänger, mich aber von der ersten Sekunde an überzeugt hat.
Das erste Lied “Wired” ist eines im typischen Stil der New-Model-Army-Opener. Feiner Mid-Tempo Rock’n Roll. Der treibende Rhythmus lässt vermuten, was einen die nächsten rund 45 Minuten erwartet. Ein Zwei-Akkorde-Riff, untermalt von einem schnörkellosen Rhythmus, trägt die Strophe und mündet im zweistimmigen Refrain. Reduziert auf das Wesentliche eines guten Rocksongs umschreibt es eigentlich am besten, was das Stück ausmacht. Seit der Blues-Gitarrist Marshall Gill eingestiegen ist, fahren die Jungs die Rock-Schiene etwas konsequenter. Was auf “Carnival” noch etwas holprig und häufig wenig durchdacht wirkte, passt diesmal deutlich besser zueinander. Nur kurz Zeit zum Luftholen hat man dann während des Intros zu “One Of The Chosen”, ein herrlich disharmonisches Riff strandet im wütenden Schlagzeuggewitter von Michael Dean. Als hätte er sich während des ersten Liedes nicht genug austoben können, bearbeitet er hier seine Felle, als müsste er beweisen, welch erstklassiger Schlagzeuger er doch ist. Eine sich ständig steigernde Spannung baut sich auf, bis sie sich endlich im Refrain löst und man es kaum erwarten kann, dasselbe noch mal zu erleben. Nach zwei Krachern wird es bei “High” zum ersten Mal etwas ruhiger. Ein wunderschön verzweifelt klingender Justin Sullivan drückt hier auch noch den letzten Ton aus sich heraus, als wollte er nie mehr Luft holen. Zu den elektronischen Streichern – was man leider hört und was nie klingen wird, wie von einem Orchester eingespielte – gesellt sich die Gitarre mit einem herrlich einfachen Thema, das einen sofort in diese weiche, langsame Stimmung versetzt, die die Strophe vermittelt. Die Melodie klingt etwas nach “Aimless Desire”, viel schlimmer finde ich aber diese unsäglichen Streicher, die immer wieder im Lied auftauchen und der Nummer etwas von ihrer Schönheit rauben. Schade. “No Mirror, No Shadow” beginnt mit einem sehr bluesigen Gitarrenriff, bevor die Rhythmussektion es etwas erdrückt. Der Herzschlag der Welt, gebündelt in Schlagzeug und Bass, steigernd, wachsend, es hört ihn aber niemand. Genau wie die prophetisch vorgetragenen Weissagungen, von denen das Lied handelt. Alles das, was schon gesagt wurde, ist eingetreten, und scheint doch noch immer niemanden zu interessieren. Der Weg zurück zum typischen New-Model-Army-nur-Schlagzeug-und-Bass-Stil ist eindeutig gelungen. Das Lied macht aber noch viel mehr aus. Vorm letzten Refrain klingt die Nummer leicht nach Beschwörungsritualen längst vergessener Völker, bevor der ebenfalls beschwörend klingende Sullivan zum abschließenden Chorus bittet. “Dawn” ist ein “Summer-Redemption-Song”, wie Justin Sullivan diese Art Lieder nennt. Eine Mischung aus Seichtigkeit und Wut, ein ständiges Gratwandern. Man hat das Gefühl, das Lied müsse umschwingen – schneller, aggressiver, lauter werden; aber es bleibt ruhig und gelassen, wie eben die Morgendämmerung, die man kaum erwarten kann. Die Sonne erscheint schon am Horizont, lange grau, dann endlich rot und leuchtend. Aber das Rot will bei diesem Lied nicht kommen, es bleibt beim Grau – es ist jedoch ein schönes Grau. Ohne je langweilig zu werden, schaffen New Model Army es mit diesem Lied, ein zeitlos schönes Stück Musik zu schaffen, das bleibt – so wie jeder Sonnenaufgang. “All Consuming Fire” beginnt mit einem Riff, das sehr stark an “Master Race” erinnert. Ein sehr düsteres Stück, bei dem die einzelnen Klavierstöße während der Strophe ein äußerst beklemmendes Gefühl verursachen. Dazu passt der wütende Sprechgesang von Sullivan und der zwar einfache aber sehr treibende Rhythmus. Textlich hält man es mal wieder mit der guten alten Westliche-Welt-Kritik:
geschrieben von homberle am Mittwoch, 22 August, 2007
Es gibt gute Lieder. Es gibt gute Filme. Für sich alleine schon Kunstwerke, die nahezu perfekt scheinen. In seltenen Fällen kann durch die scheinbar beiläufige Symbiose aus Musik und Bildern ein eigenes, kleines Kunstwerk in 2:30 entstehen.1973. San Diego. William ist 15 als seine Schwester auszieht, weil ihre Mutter sie in den Wahnsinn treibt. Als Vermächtnis hinterlässt sie ihm ihre Plattensammlung. Von da an ist er infiziert. Er beginnt die Musik zu lieben und versucht seiner Liebe in Form von Plattenkritiken Ausdruck und Gehör zu verschaffen. Durch einige glückliche Umstände findet er sich schon bald im Tourbus der aufstrebenden Band “Stillwater” wieder, um für das Rolling-Stone-Magazine einen Tourneebericht zu schreiben.