Ein großer, heller, Raum mit hoher Decke und großen Fenstern. Auf dem Boden liegt braunglänzendes, sehr altes Parkett. Inmitten des Raumes steht eine Vitrine aus Glas. Darin befinden sich zahlreiche kostbare Stücke aus den verschiedensten Epochen: mesopotamische Urnen, römische Amphoren, Rokokogläser und Bergkristallvasen in postmodernem Design. Ein ganzer Schrank aus Glas, vollgestopft mit Dingen aus Glas, Keramik, Ton. Diese Vitrine braucht nicht eigens beleuchtet zu werden, die hohen Fenster lassen genug Licht herein. Viele Menschen betreten den Raum, gehen auf die Vitrine zu, bestaunen die Becher, Gläser Vasen, indem sie langsam um den Glasschrank herumgehen. Sie verlassen den Raum durch eine Tür am anderen Ende des großen Zimmers, das man fast schon einen Saal nennen könnte, gäbe es nicht noch weitaus größere in diesem Haus.
Der Titel der Bildzeitung vom Samstag lautete: “Das Aschemonster”. Geschrieben in aschgrauen Letter, die selbst für diese Zeitung groß waren. Dazu kam ein verzerrtes Gesicht, das einem Totenschädel glich. Weiter habe ich nicht gelesen, aber sie werden sich schon was zusammen gesponnen haben von wegen Weltuntergang, Massensterben, Ausfall des DSDS-Finales etc.
Ok, mit ein paar Tagen Verspätung:
“das hat mir ein Vögelchen gesungen:” das habe ich im Vertrauen erfahren.
Seinen Ursprung hat dieser Phraseologismus wohl im Märchen, wo Vögel oft als Boten auftauchen, weiß der Duden.
Wir setzen die Tradition des Bibel-Stechens in säkularer Form fort und veranstalten jetzt wöchentlich ein DUDEN-Stechen. Benutzt wird dabei vorerst Band 11: “Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten” (Mannheim 1998]. Hier also der erste “Stich”:
“sich in den Wichs werfen/schmeißen (ugs. ; veraltet: sich [für einen formellen Anlass] besonders gepflegt, festlich kleiden: ‘Heute Abend ist Empfang beim Bürgermeister, da wird wird man sich wohl oder übel in Wichs werfen müssen. [...].
Die BLB ist voll. Es muss Prüfungszeit sein. Von dritten Stock aus hat man einen sehr guten Blick hinab in den Lesesaal. Alle Tische sind besetzt. Fleißig liegen die Arbeitsmaterialien auf den schönen Tischen. Dazu, wie es sich gehört Laptops, Handys und anderes. Man richtet sich ein in der Bibliothek, die doch kein Lernraum, sondern ein Arbeitszimmer ist. Aber zuhause kann man nicht lernen, das ist klar. Da wird man doch ständig abgelenkt: Fernsehen, Radio, das Handy klingelt ständig, man kann die Finger von Facebook und Co. nicht lassen. So kommt man natürlich zu nichts. Hier geht’s besser.
Klar, Haiti wird dieser Post nicht helfen. Immerhin ist die Nachricht der Katastrophe bis zu uns gedrungen und viele spenden, um zu helfen. Da kann man sich doch mal im Namen der Humanität bei den Medien bedanken, oder? Danke, dass stündlich weitere Horrormeldungen generiert werden. Danke, dass ich noch ein Live-Interview vom Schauplatz der Katastrophe bekomme, in dem auch nichts Neues berichtet wird als vor 10 Stunden. Wer versorgt eigentlich die ganzen Reporter?
Die Nachrichten schreiben vom Sturmtief Daisy. Das Land versinke im Chaos, von Schneechaos ist die Rede, ja sogar zu Hamsterkäufen wird von Experten geraten. Und außerdem zeigt RTL auch noch den Endzeit-Porno “The day after tomorrow”. Da funktioniert die Mechanik der Panikmache wie ein Uhrwerk. Hand in Hand, quer durch die Medienlandschaft wir der Untergang prophezeit, mal wieder. Dass es auch diesmal keiner ist, ja dass der Sturm harmloser blieb, als von den vielen Experten vorhergesagt, ist im Grunde ja auch nebensächlich. Hauptsache die Schlagzeile stimmt.
Ich gebe zu, dass ich mittlerweile fast alle Bücher online kaufe. Manchmal beschleicht mich da ein bischen ein schlechtes Gewissen. Man sollte doch den lokalen Buchhändler unterstützten. Ehrlich gesagt gibt es in meiner Umgebung keinen solchen Buchhandel mehr. Und wenn es einen gäbe, dann wäre das Sortiment wohl dem der großen Buchsupermärkte so weit angepasst, dass ich dort ohnehin nicht das finde, wonach ich nicht gesucht habe. Denn wer sucht schon in einem Buchladen. Man geht dorthin, um zu finden.
Der gemütliche Bereich des Kleinbürgers ist der Versuch, das Unvorhersehbare, das Unkalkulierbare, kurz das Chaos, zumindest aus dem privaten Leben zu verbannen. Die Wohnungstür, die Werkstadt vielleicht noch Stadtviertel oder Dorf sind die Bannmeilen, aus denen man das Chaos vertrieben wissen will, innerhalb derer es gesittet, ruhig und vor allem geordnet zugehen soll. Das Leben folgt klaren Regeln, es ist klar geregelt und wenn das ungehorsame Schicksal trotz der Menge an Verbannungsmagie zuschlagen sollte, so kann man sich heutzutage wenigstens gegen die Folgen versichern.
Ah, sieht schön aus hier.
Der Gedanke, das Blog auf “neutralem” Boden weiterzuführen, stand schon einige Zeit im Raum, aber aufgrund mangelnder technischer Kompetenz meinerseits zögerte ich. Seit Kurzem sind wir also Gast auf homberles server. Mit dem Umzug haben wir sicherlich ein Stück Unabhängigkeit gewonnen. Damit folgen wir einem der Grundprinzipien des Internets, wie ich es verstehe. Unabhängigkeit, ja Freiheit kann uns Google nicht bieten.
So war ich also letztens nach langer Zeit mal wieder da. Als ich von der stark belebten Straße, die die Massen ins ECE-Center schleust, in den viel ruhigeren Vorraum kam, fiel mir auf, wie sehr ich die Atmosphäre hier drin vermisst habe. Die arbeitsame Ruhe im Lesesaal, das mit gedämpfter Stimme geführte Gespräch. Wie damals war ich von den schier endlosen Gängen beeindruckt, die durch die Bücherregale führen. Früher war ich mehrmals in der Woche hier, um zu recherchieren, kopieren, auszuleihen und zurückzugeben, aber oft auch einfach nur um zu lesen. Wenn mir langweilig war, weil ich zum Beispiel auf ein bestelltes Buch 45 Minuten warten musste, das es erst aus dem geschlossenen Archiv geholt werden musste, schlenderte ich durch die Gänge des offenen Magazins. Vom Zufall geführt blieb ich an einem Regal stehen, weil ein besonderer Einband meine Aufmerksamkeit auf sich zog, ein Buch besonders groß war oder einfach weil auffällig viele blaue Bücher in einem Regal standen. Ich zog blindlings Bücher aus den Regalen und las mindestens das Vorwort, soweit ich es verstand. Manchmal fand ich etwas, das mich so faszinierte, dass ich es auslieh. Meist aber war ich dort, um wichtige Literatur zu beschaffen, die notwendig war, um eine Hausarbeit, wie immer in letzter Minute, fertigzustellen.
Irgendwann kommt man in ein Alter, wo die Leute um einen herum anfangen, Familien zu gründen und Kinder in die Welt zu setzen. Man könnte fast meinen, das sei eine Mode und der eine will, was der andere schon hat. So wie zum Beispiel vor ein paar Jahren jeder unserer individuellen, sich selbst verwirklichenden Mitmenschen auf einmal unbedingt nach Vietnam oder Thailand reisen musste. Als ob es dort was umsonst gegeben hat. Aber das ist ein ganz anderes Thema (über das man sich aber auch mal Gedanken machen könnte).
Was passiert denn, nachdem nun die “gebildeten” Zeitgenossen ihren Nachwuchs bekommen haben? Man schreibt eine E-Mail an Freunde und Bekannte und am besten auch solche, die beides nicht oder nicht mehr sind und die frohe Botschaft trotzdem mitbekommen sollen. Knapp werden die wichtigsten Details zur Geburt angegeben: genauer Zeitpunkt der Geburt, wie groß, wie schwer etc. Und natürlich dass Mutter und Kind wohlauf sind. Das ist immerhin die wichtigste Information.
Nach ausgiebiger Probefahrt gegen die alte Maschine eingetauscht.

Ok, mein Handy ist eben kein Ersatz für eine vollwertige Kamera. Also entschuldige ich mich mal wieder für die mangelhafte Qualität des Fotos. Dennoch kann man vielleicht erkennen, wie grandios die Location in Tübingen war. Mitten im Wald inklusive “Naturtribüne” in Form eines Hügels. Klasse Atmosphäre, großes Konzert. Allein die Location ist es wert, sich ein Konzert im
Sudhaus in Tübingen anzuschauen. In diesem Sinne “In Poison street we’ll go crashing through the walls that history made for us”.

Das schlechte Foto zeigt die Messe in KA. Neben dem Burgfest das zweite große Ereignis in KA am Pfingstwochenende. Aus der ganzen Stadt, aus dem ganzen Landkreis strömten die Leute in die Oststadt, um teilzunehmen und mitzumachen. Hauptsache es blinkt, macht Spaß und schmeckt. Das darf man nicht verpassen. Schließlich will man dazugehören und was zu erzählen haben. Vom zähen, aber zuckersüßen Brei der massentauglichen Unterhaltung will jeder was abhaben. Soviel, bis einem schlecht wird.
Ab heute wird dann wieder gemosert und sich beklagt über die da oben, die sich die Taschen vollstopfen auf Kosten des kleinen Mannes. Aber das ist nur der Kater. Und der verschwindet bald in der Vorfreude auf das nächsten Highlight.
Brot und Spiel in der Krise. Ja, aber mit einem bedeutenden Unterschied zum alten Rom. Damals zahlten die Kaiser die Zeche für Spannung, Spiel und Unterhaltung, heute bezahlt jeder für sich. Man trinkt also von dem Kakao durch den man gezogen wird, trotz Kästners Warnung.
Juvenal schrieb einst, dass das Volk, das Ruhm, Ehre und Macht verliehen hatte, nun stillhalte und in banger Sorgen seinen Blick nur noch auf zwei Dinge richte: Brot und Spiele.
Allerdings war damals die Republik bereits Geschichte und ihre überkommenen Traditionen nur noch leerer Prunk. Wir sind auf dem richtigen Weg. Wir scheißen auf unsere Probleme, solange wir uns den Rummel leisten können und verkaufen so für ein Stück Zuckerwatte unsere Freiheit und unsere Macht.