Ok, mit ein paar Tagen Verspätung:
“das hat mir ein Vögelchen gesungen:” das habe ich im Vertrauen erfahren.
Seinen Ursprung hat dieser Phraseologismus wohl im Märchen, wo Vögel oft als Boten auftauchen, weiß der Duden.
Wir setzen die Tradition des Bibel-Stechens in säkularer Form fort und veranstalten jetzt wöchentlich ein DUDEN-Stechen. Benutzt wird dabei vorerst Band 11: “Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten” (Mannheim 1998]. Hier also der erste “Stich”:
“sich in den Wichs werfen/schmeißen (ugs. ; veraltet: sich [für einen formellen Anlass] besonders gepflegt, festlich kleiden: ‘Heute Abend ist Empfang beim Bürgermeister, da wird wird man sich wohl oder übel in Wichs werfen müssen. [...].
Die BLB ist voll. Es muss Prüfungszeit sein. Von dritten Stock aus hat man einen sehr guten Blick hinab in den Lesesaal. Alle Tische sind besetzt. Fleißig liegen die Arbeitsmaterialien auf den schönen Tischen. Dazu, wie es sich gehört Laptops, Handys und anderes. Man richtet sich ein in der Bibliothek, die doch kein Lernraum, sondern ein Arbeitszimmer ist. Aber zuhause kann man nicht lernen, das ist klar. Da wird man doch ständig abgelenkt: Fernsehen, Radio, das Handy klingelt ständig, man kann die Finger von Facebook und Co. nicht lassen. So kommt man natürlich zu nichts. Hier geht’s besser.
Klar, Haiti wird dieser Post nicht helfen. Immerhin ist die Nachricht der Katastrophe bis zu uns gedrungen und viele spenden, um zu helfen. Da kann man sich doch mal im Namen der Humanität bei den Medien bedanken, oder? Danke, dass stündlich weitere Horrormeldungen generiert werden. Danke, dass ich noch ein Live-Interview vom Schauplatz der Katastrophe bekomme, in dem auch nichts Neues berichtet wird als vor 10 Stunden. Wer versorgt eigentlich die ganzen Reporter?
Nach Textzeilen wie
Ich fühl’ mich wie der Jesus
Mir tut das Kreuz so weh oder
es lebe der Zentralfriedhof oder
meine Herrschaften – heroinspaziert oder
wen er einmal gerufen hat – den holt er sich auch – Der Watzmann
fühle ich mich irgendwie so – hmm – analog. Da passt es wie – verzeihung – Arsch auf Eimer, dass ich heute eine Werbung von Hülsta sah, die ich ganz einfach großartig finde, und die es für mich auf den Punkt bringt, obwohl mir das tanzende Etwas im Vordergrund etwas überflüssig erscheint und ich die blanken Zahlen als unwichtig empfinde. Die schiere Wucht, von Musik erschlagen werden zu können, ist für mich Aussage genug – also – werft Ipods nach mir und versucht mich zu treffen.
Die Nachrichten schreiben vom Sturmtief Daisy. Das Land versinke im Chaos, von Schneechaos ist die Rede, ja sogar zu Hamsterkäufen wird von Experten geraten. Und außerdem zeigt RTL auch noch den Endzeit-Porno “The day after tomorrow”. Da funktioniert die Mechanik der Panikmache wie ein Uhrwerk. Hand in Hand, quer durch die Medienlandschaft wir der Untergang prophezeit, mal wieder. Dass es auch diesmal keiner ist, ja dass der Sturm harmloser blieb, als von den vielen Experten vorhergesagt, ist im Grunde ja auch nebensächlich. Hauptsache die Schlagzeile stimmt.
Ich gebe zu, dass ich mittlerweile fast alle Bücher online kaufe. Manchmal beschleicht mich da ein bischen ein schlechtes Gewissen. Man sollte doch den lokalen Buchhändler unterstützten. Ehrlich gesagt gibt es in meiner Umgebung keinen solchen Buchhandel mehr. Und wenn es einen gäbe, dann wäre das Sortiment wohl dem der großen Buchsupermärkte so weit angepasst, dass ich dort ohnehin nicht das finde, wonach ich nicht gesucht habe. Denn wer sucht schon in einem Buchladen. Man geht dorthin, um zu finden.
Der gemütliche Bereich des Kleinbürgers ist der Versuch, das Unvorhersehbare, das Unkalkulierbare, kurz das Chaos, zumindest aus dem privaten Leben zu verbannen. Die Wohnungstür, die Werkstadt vielleicht noch Stadtviertel oder Dorf sind die Bannmeilen, aus denen man das Chaos vertrieben wissen will, innerhalb derer es gesittet, ruhig und vor allem geordnet zugehen soll. Das Leben folgt klaren Regeln, es ist klar geregelt und wenn das ungehorsame Schicksal trotz der Menge an Verbannungsmagie zuschlagen sollte, so kann man sich heutzutage wenigstens gegen die Folgen versichern.
Ah, sieht schön aus hier.
Der Gedanke, das Blog auf “neutralem” Boden weiterzuführen, stand schon einige Zeit im Raum, aber aufgrund mangelnder technischer Kompetenz meinerseits zögerte ich. Seit Kurzem sind wir also Gast auf homberles server. Mit dem Umzug haben wir sicherlich ein Stück Unabhängigkeit gewonnen. Damit folgen wir einem der Grundprinzipien des Internets, wie ich es verstehe. Unabhängigkeit, ja Freiheit kann uns Google nicht bieten.
In der Ukraine gewann vor einigen Monaten die Künstlerin Kseniya Simonova die Fernsehshow “Ukraine’s Got Talent 2009″, was wohl das Pendant zum “Supertalent” bei RTL oder so ist. Und wisst ihr womit die gewonnen hat? Sie “malt” in einem mit Sand befüllten Leuchtkasten, wobei das kein klassisches Malen, sondern eher ein Geschichten erzählen mit flüchtigen Bildern ist. Ihr Thema: die deutsche Besatzung der Ukraine während des 2. Weltkrieges. Klingt abgefahren? Dann solltet ihr euch das Video anschauen. (gefunden bei Spreeblick)
Wenn noch irgendwer daran gezweifelt hat: die gesamte Content-Mafia will natürlich nur unser Bestes und es geht ihnen allen natürlich nur um die Künstler und an allerletzter Stelle erst ums Geld – ja ne, ist klar: Netzpolitik hat da etwas sehr interessantes bei Wikileaks gefunden.
Die Frage hat sich irgendwann einmal ihre Selbstverständlichkeit am Ende der Nahrungsaufnahme erarbeitet. Sie wird gestellt. Immer.
Sie ist oft unterschiedlich in ihrer Form, hat aber dennoch jedes Mal dasselbe Ergebnis: Kaum einer sagt das, was er eigentlich sagen möchte. War’s recht? Hat’s geschmeckt? Waren sie zufrieden? Die Variation der Frage ist ähnlich beliebig wie die Antwortmöglichkeiten: Sehr gut. Sehr lecker. Wunderbar – nur viel zu viel…
Ich esse gerne. Und weil dem so ist, besuche ich in unregelmäßigen Abständen auch mal das ein oder andere Restaurant meines Vertrauens. Ich quäle mich durch die Karte, was bei mir immer viel zu lange dauert, weil die meisten Fresstempel einen Wettbewerb untereinander ausfechten, wer mit dem Umfang der Speisekarte näher an Goethes Gesamtwerk rankommt. Ein Pils später ist die Bestellung dann meistens doch abgegeben, ein weiteres Pils später ist das eben bestellte da. Essen.
Den Ausdruck “Facepalm” habe ich vor einigen Wochen zum ersten Mal in einem anderen Blog gelesen und nach kurzem vor Augen führen dieser Handlung (Dict.cc sagt dazu: “die Hand vors Gesicht schlagen”) musste ich mal wieder neidlos anerkennen, dass sich die englische Sprache manchmal einfach der kürzeren, prägnanteren und vor allem treffenderen Bilder bedient.
Der Grund, warum ich das schreibe ist einfach. Denn vor wenigen Minuten habe ich, wie in letzter Zeit leider häufiger, ein(e) facepalm gemacht, ich habe mir also die Hand vors Gesicht geschlagen. Ich kam nach Hause und nach der Fernsehberichterstattung eines Ereignisses, das ich hier nicht näher beschreiben möchte, landete ich beim ZDF – Kerner lief. In fünf Tagen ist Bundestagswahl und da darf ein Gespräch unter Experten auch am Dienstag Abend nicht fehlen. Nach einigen apathischen Minuten wurde ich wachgerüttelt.